Ehemaliger chinesischer Außenminister nimmt deutschen Pavillion im Schnelldurchgang

Ich weiß nicht genau, woran es gelegen hat, aber letzte Woche hatte ich an einem Arbeitstag weniger damit zu tun, den Besuchern Exponate zu erklären, sondern vielmehr damit, fast den ganzen Tag Fotos mit den Besuchern zu schießen. Kaum hat mich eine Chinesin nach einem Foto mit mir gefragt, kamen in Scharen immer mehr Leute an, die den gleichen Wunsch hatten. Damit ich mich auch wieder meiner Arbeit widmen konnte, sagte ich den Besuchern nach ungefähr jedem zehnten Foto, es gäbe in den nächsten Austellungsräumen noch viel hübschere Hosts als mich; dieser Satz hast meistens gezogen und sorgte für viel Gelächter unter den Besuchern, die dann mit einem Schmunzeln im Gesicht weiter in den Pavillon vordrangen.

Touristen mit Fotos zieht es seit langem nach Hochfranken – neuerdings auch in die Jahrhundertausstellung zum Thema Porzellan: Königstraum und Massenware in den Porzellanikons.

Als an einem anderen Tag (wie jeden Tag vor Schichtbeginn), die Führungen für den jeweiligen Tag verteilt wurden, entschied ich mich für eine Führung mit einem ehemaligen Mitglied der chinesischen State Council, also einem politischen Organ, dem die höchsten 50 Politiker Chinas angehören. Nun gut, dachte ich mir, was ist schon dabei, diese Führung zu übernehmen. Als die 15-köpfige Delegation ankam, musste ich widererwarten feststellen, dass darunter bestimmt 8 Securities dabei waren, die im Verlauf der Führung freundlich die vor uns liegenden Besucher “weggeschoben” haben, um den Weg für das ehemalige Mitglied der State Council frei zu machen. Selbst ich wurde immer wieder gebeten, die Führung schneller zu machen und so waren wir nach 20 Minuten anstatt der üblichen 60 Minuten durch den Pavillon durch und weg war die Delegation auch schon wieder. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass ich den ehemaligen Aussenminister von China, Tang Jiaxuan, durch den Pavillon geführt habe, was auch die Schnelligkeit der Führung und das Sicherheitspersonal erklärte. Ja ja, da führt man den ehemaligen Aussenminister durch den Pavillon und weiß es nicht mal…;-)

In meiner Freizeit habe ich mir mit meinen Freunden noch ein paar andere Pavillons angesehen, darunter wirklich “inhaltlich sehr interessante” Pavillons, wie den kubanischen, den venezuelischen und den chilenischen Pavillon. Natürlich sage ich dies mit ein wenig Ironie. Vielmehr als das Thema der EXPO aufzugreifen, geht es diesen drei Pavillons eher darum, eine entspannte Atmosphäre für die Besucher zu schaffen. Angefangen haben wir mit einem Cocktail im kubanischen Pavillon, der aus nicht mehr als einer Cocktailbar besteht, an der man auch kubanische Zigarren erstehen kann. Weiter ging es mit einer Runde Hängematten-Liegen im venezuelischen Pavillon, gefolgt mit einem guten Rotwein in Chile. Ein wirklich tolle Oase nach Feierabend, liegen die drei Pavillons zudem noch direkt nebeneinander.

Cocktials und Hängematte – das ist genau der Zeitvertreib, den man in Hochfranken bei Temperaturen um die 30°C im Schatten wohlgemerkt auch näher verfolgen sollte. Wir haben eben alles – vernünftige Winter mit Schnee und der Gelegenheit an unseren Liften in den beiden Naturparken Fichtelgebirge und Frankenwald ausgiebig Ski zu fahren, echten Frühling und Herbst, warme – jedoch keine schwül-heißen Sommer – und die 5te Jahreszeit natürlich auch.

Ein erwähnenswertes Hightlight der letzten Woche waren die zwei Konzerte der Hamburger Band ‘Revolverheld’, einmal unter freiem Himmel auf dem EXPO-Gelände und ein anderes Mal in einem angesagten Shanghaier Club. Als ein Fan der Band hat es mich riesig gefreut, die Gelegenheit bekommen zu haben, mich mit den Jungs von Revolverheld zu unterhalten und zusammen mit ihnen und ein paar Arbeitskollegen ein Foto zu machen.

Bei uns gab es zuletzt 10 DJs in 10 Stunden – und allenthalben bereiten wir uns auf die WM vor, z.B. in Selb.

Es ist weiterhin eine unglaubliche spannende und unvergessliche Zeit, die meine Arbeitskollegen und ich hier erleben. Wir freuen uns gemeinsam auf die weitere Zeit.

Viele Grüße an alle Leser meiner Berichte und beste Güße aus Shanghai an Hochfranken.

Bis zum nächsten Mal,

Daniel Köcher

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