Wie vielleicht die meisten Leser meiner Berichte noch wissen, stand das letzte Mal der Stadtrand im Fokus. Dieses Mal wollen wir unsere Aufmerksamkeit weg von der Peripherie hin in die Stadt selbst bewegen. Nachhaltige Stadtentwicklung umfasst viele Bereiche und manifestiert sich in unterschiedlichsten Formen.
Eine der Bereiche ist die Transformation bestehender Bausubstanz, Neues auf Altem oder aus Altem entstehen zu lassen. Ein Paradebeispiel dazu zeigt uns die Hafen City in Hamburg. Dort entsteht seit längerem auf einem 157 Hektar großen ehemaligen Hafengelände ein neues innerstädtischer Quartier. Alte Hafengebäude wurden und werden noch in neue Bereiche des Wohnens, Arbeitens und Entspannens transformiert. Im Sinne einer nachhaltigen Urbanisierung wird dabei nicht nur auf hohe Umweltstandards bei den Gebäuden geachtet, sondern es wurden bewusst unterschiedliche Bereiche des Lebens auf diesen 157 Hektar vereint. Hamburg City unterstreicht im Besonderen das Konzept des Deutschen Pavillons Balancity und zeigt schon heute, wie die Stadt der Zukunft konkret aussehen kann.
Auch in Hochfranken, einem ländlichen, nur wenig verstädterten Raum gibt es zahlreiche Beispiele für Entwicklung im Bestand. Zuallererst sind hierbei natürlich die zahlreichen Konversionsobjekte zu nennen. In der Hauptsache handelt es sich um Industriebrachen aus den Hochzeiten der Textil- und Prozellanindustrie respektive der Nutzung unserer Region an der ehemaligen innerdeutschen Grenze sowie der zur Tschechischen Republik als verlängerte Werkbank der Nation – der Grenzlandförderung sei dank.
Diese Flächen und einige ehemalige militärisch genutzte Areale konnten vielfältigen Nutzungen zugeführt werden – Wohnen, Produtkion, Handel, Lager mit und ohne Abriss und Neubau. Selbst Rückbau und verwertung als innerstädtische Grünfläche kommt vor. Das Kuratorium Hochfranken hat mehrere Untersuchungen zu Konversionsflächen erstellt.
Außerdem ist anzuführen, dass Bayern den höchsten Flcähenverbrauch Deutschlands aufweist. Insbesondere in ländlichen Räumen , welchen zudem durchweg eine verschärfte demographische Eentwicklung vorhergesagt wird, sollte daher Innen- bzw. Bestandsentwicklung vor der Ausweisung neuer Wohn- oder Gewerbeflächen stehen. Das wird den Kommunen nicht nur vor dem Hintergrund einer besseren Auslastung der bereits bestehenden Infrastruktur wohl bekommen, sondern sichert auch ein weiterhin ansprechendes Landschaftsbild – eines der größten Pfunde des ländlichen Raumes.
Diese Ressourceneffizeinz ist ganz nebenbei eine sehr schöne Überleitung zum Thema Energieeffizenz…
Einen weiteren Aspekt nachhaltiger Urbanisierung umfasst der Bereich „energieeffizientes Bauen“. Um der Umwelt den nötigen Respekt zu erweisen, aber auch wegen der Tatsache, dass fossile Brennstoffe nicht ewig zur Verfügung stehen können, erweist es sich durchaus als überlegenswert, die Energieversorgung des eigenen Heims durch erneuerbare Energien gewährleisten zu lassen. Dass Mithilfe erneuerbarer Energien bereits eine positive Energiebilanz erreicht werden kann, zeigt die Plusenergie-Siedlung in Freiburg. Die Siedlung, bestehend aus ungefähr 60 Wohnhäusern und allesamt ausgestattet mit Solardächern, vernetzt mit einem Holzschnitzelkraftwerk, produziert im Jahr gerechnet mehr Energie mithilfe regenerativer Energien als sie verbraucht. Um den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, sind die Häuser zusätzlich mit extradicken Fenstern sowie mit energieschonenden Wärmedämmmaterialien in den Wänden versehen. Diese Kombination gewährleistet, dass diese sechzig Wohnhäuser am Ende des Jahres eine positive Energiebilanz erreichen. Natürlich muss dazu viel Geld investiert werden und der Großteil der Bevölkerung kann sich eine solche Investition nicht leisten. Zumindest aber lässt sich an diesem Beispiel sehen, dass der Traum, 100% regenerativ Energie zu produzieren, gar kein Traum ist und wir bereits über die notwendigen Technologien verfügen.
Einige Stichpunkte sollen an dieser Stelle genügen:
Als einer der am dichtesten industriealisierten Regionen Europas existieren in Hochfranken viele Flächdächer, die man optimal für Photovoltaikanlagen nutzen kann. Selbst Objekte in Insolvenzverwaltung sind bestens geeigent – schließlich sorgt diese über Jahrzehnte für die bauliche Instandhaltung der Gebäude.
Holz istin Hochfranken in rauhen Mengen vorhanden – Frankenwald und Fichtelgebirge sind quasi unerschöpfliche Ressourcen. Die Herausforderung der kleinteiligen Besitzstrukturen wird derteit von mehreren Initiativen aktiv angegangen – schließlich sollte man dieses Kapital auch monetär Nutzen können.
Wahrscheinlich noch spannender sind die Beiträge der hochfränkischen Industrie und Froschung. Hochfranken ist dabei sich als Green Tech Region zu profilieren.Die Voraussetzungen sind bestens – Vliesstoff- und Kunststoffhersteller produzieren Dämmmaterialien, Maschinenbauer energieeffizeinte Geräte und solche zur Nutzung von z.B. Windenergie, Geothermie oder zur Abwasseraufbereitung, IT Institute und Heizungs-/Kältetechnikunternehmen profilieren sich in Effizienten Stuerungssystemen. All dies ist getragen von der Hochschule Hof und Unternehmen wie z.B. einer Rehau AG, wie dieser Film eindrucksvoll belegt: hier klicken!
Als einen letzten Aspekt zum Thema möchte ich noch die soziale Nachhaltigkeit innerhalb der Stadt anschneiden. Durch den demographischen Wandel hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft, aber auch der zunehmende Multikulturalismus innerhalb der Stadt, sind neue Wege zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts unabdingbar. Wie ein kultur- und generationsübergreifendes Band geschaffen werden kann, lässt sich in Stuttgart sehen. Im Mehrgenerationenhaus finden sich Leute unterschiedlichster Altersgruppen und Kulturen zusammen. Das Haus bietet vielfältige Dienstleistungen an: Betreutes Wohnen für Senioren, Kinderbetreuung, Kindersingen und auch ein öffentliches Wohnzimmer, in dem Kinder spielen können, die Eltern Kaffee trinken und Senioren in einem gemütlichen Sessel ein Buch in der Leseecke lesen.
Hochfranken ist vom Demographischen Wandel allen Voraussagen nach besonders betroffen. Dementsprechend mannigfaltig sind die Aktivitäten in unserem Raum – Mehrgenerationenhäuser, Kongresse, Initiativen. An dieser Stelle müssen wir uns stark beschränken. Hochfranken soll Modellregion für den Demographischen Wandel werden – das kann das Regionalmanagement nur unterstützen!
Natürlich gibt es viele weitere Beispiele, die unter dem Wochenthema aufgeführt werden könnten. Mein Bericht soll lediglich eine kurze inhaltliche Skizzierung sein und Aufmerksamkeit und Interesse erwecken.
Es bereitet mir immer wieder sehr viel Freude, mit den chinesischen Besuchern diese Themen zu diskutieren. Nicht nur merke ich, wie bei mir selbst ein noch größeres Bewusstsein für die Möglichkeiten nachhaltiger Urbanisierung entsteht, auch sehe i
ch, wie Chinesen immer mehr ein Bewusstsein für Natur und Umwelt entwickeln. Nach einem netten Gespräch mit den Besuchern steht am Ende meistens das obligatorische Erinnerungsfoto an. Apropos Erinnerungsfoto: letzte Woche ist mir im Pavillon doch glatt die diesjährige Miss USA über den Weg gelaufen. Aber das nur a m Rande.
Ich hoffe, dass Sie sich auch für das Thema interessieren und so verbleibe ich vorerst mit lieben Grüßen aus Shanghai an all meine Leser.