Balance zum geschäftigen Stadtleben / Wissenschaftsminister, Radiointerview

Grünflächen und ihre Funktionen in der Stadt

Hallo an all meine Leser,

heute möchte ich Ihnen ein wenig davon erzählen, welch wichtige Rolle Grünflächen innerhalb der Stadt spielen – das Ganze ist von meinen Erlebnissen und dem Topic der WorldExpo 2010 inspiriert, natürlich.

Viele Haushalte in Deutschland, vor allem in kleineren Städten, haben eine kleine Oase der Erholung direkt vor der Haustür: den Garten.

Je größer die Stadt und mit ihr die Bevölkerung jedoch ist, desto seltener trifft man auf Haushalte, die es sich leisten können, einen Garten neben dem Eigenheim anzulegen. Gerade in chinesischen Großstädten sind Gärten gar kein Thema. Umso größer deshalb die Faszination der chinesischen Besucher im Deutschen Pavillon, wenn sie sehen, wie idyllisch es teilweise die Deutschen mit ihren Gärten haben. Eine gängige Methode, um in deutschen Großstädten bzw. Stadtzentren doch nicht auf die eigene grüne Oase verzichten zu müssen, ist es, sich einen Schrebergarten zu mieten, um in diesem Obst und Gemüse anzubauen oder ihn einfach als Erholungsort und Ausgleich zum turbulenten Stadtleben zu nutzen.

Ganz knapp: Vorzug des ländlichen Raumes als Lebensraum – Natur satt. als Naherholungsgebiet, als Teil des (bezahlbaren) Eigenheims, als bester Spielplatz für die Kinder. Und Hochfranken hat noch mehr zu bieten: Karriere im gesunden Mittelstand zum Beispiel, bewiesenermaßen krisenfest!

Neben diesen Nutzungsmöglichkeiten kann der Garten auch Treffpunkt unterschiedlicher Kulturen sein. Ein besonderes Projekt, welches sich seit den neunziger Jahren stark in Deutschland etablieren konnte, sind die sogenannten „Interkulturellen Gärten“. Initiator dieses Projektes waren nach Deutschland immigrierte Einwanderer, die ihre Gärten in der Heimat vermissten. Um auch in der neuen Heimat nicht auf die Gartenkultur verzichten zu müssen, wurden mit Einverständnis der jeweiligen Stadtverwaltung Grünflächen in der Stadt, wie beispielsweise Teile von Parks, zu kleinen Gärten umfunktioniert, in denen die Einwanderer begannen, Obst und Gemüse anzubauen. Im Laufe der Zeit gesellten sich Einheimische zu den Immigranten und so entstand eine gemeinschaftliche Tätigkeit, die den kulturellen Austausch und das gegenseitige Verständnis förderten. Ausgangsort interkultureller Gärten war damals Göttingen und in den letzten zwanzig Jahren hat sich dieses Projekt auf viele weitere deutsche Städte ausgedehnt.

Neben dieser Funktion sind Gärten auch in der Lage, das Umweltverständnis und –bewusstsein zu fördern. Ein erwähnenswertes Beispiel, wie bereits Kindern Umwelt nahe gebracht werden kann, sind die in Deutschland weit verbreiteten Schulgärten. Genau wie ich damals in der Grundschule in Schwarzenbach am Wald schon die Möglichkeit hätte, so können Kinder auch heute in vielen Grundschulen „Gärtnern“ als Schulfach wählen. Als Ausgleich zum Unterricht haben die Kinder so die Möglichkeit, in den von der Schule operierten Gärten auf spielerische Art und Weise den Umgang mit der Natur zu erfahren. Gerade in Großstädten, in denen die meisten Familien keinen eigenen Garten haben und deshalb oft der Umgang mit der Natur fehlt, nehmen die Schulgärten eine primäre Rolle im Schärfen des Umweltbewusstseins ein.

Eigene Erlebnisse der vergangenen Tage

Also ich muss schon sagen, dass der Juli ein sehr ereignisreicher Monat war, ähnlich wie damals im Mai, als uns Horst Köhler mit seinem Besuch beehrte. Das erste Highlight für mich in diesem Monat war, dass ich die Möglichkeit bekommen habe , dem chinesischen Minister für Wissenschaft und Technologie (!), Herr Wan Gang den Pavillon zu zeigen. Er war zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter sowie einer 15-köpfigen Delegation angereist, darunter auch vielen Sicherheitsleuten. Was von Anfang an eine sehr gute Basis geschaffen hat, war die Tatsache, dass er perfektes Deutsch gesprochen hat und mehrere Jahre in Deutschland gelebt hatte. So hatten wir die Möglichkeit, unsere Erfahrungen von China und Deutschland auszutauschen. Nach der Führung mit dem ehemaligen chinesischen Aussenminister war das die zweite hochrangige Delegation, die ich durch den Pavillon führen durfte.

Das zweite persönliche Highlight markierte ein Radiointerview mit dem zweitgrößten Radiosender Chinas – Chinese National Radio. Während meiner Arbeit im Pavillon kam unsere Presseabteilung zusammen mit den chinesischen Radiomoderatoren auf mich zu um zu fragen, ob ich Interesse hätte, Gast in einer zweistündigen Live-Radioshow zu sein. Wir würden uns während der Sendung hauptsächlich über Fussball und die EXPO unterhalten, meinte man zu mir. Obwohl mir zwar schon ein wenig mulmig zumute war, ob ich das Interview auf chinesisch bewältigen könnte, sagte ich letztendlich zum Interview zu.

Als dann der Tag gekommen war, war ich verständlicherweise total aufgeregt, zumal ich nicht wusste, welche Fragen man mir während der Show stellen würde. Als dann wir dann auf Sendung gingen, wurden mir zunächst einfache Fragen über meine Arbeit im Pavillon gestellt. Im Laufe der Sendung gingen wir dann mehr in die Materie und setzten uns mit den Stärken und Schwächen der einzelnen Fussball-Teams auseinander und tippten, wer denn die WM gewinnen würde. Bei einigen Fragen musste ich schon schwitzen, um eine passende Antwort zu finden. Nach den zwei Stunden war dann die Sendung zu Ende und meine Nervosität wurde abgelöst und durch ein ganz großes Glücksgefühl, da die Sendung wirklich gut verlaufen ist und mir bewusst wurde, dass mich ganz China hören konnte. Also so was erlebt man wirklich nur einmal im Leben.

Während des Interviews haben mich zwei meiner Freundinnen begleitet, die mir Mut machten und Fotos sowie Videos des Interviews festhielten.

Ich hoffe auch dieses Mal, dass Sie, meine Leser, meinen Beitrag interessant fanden und würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal einen Blick auf meine Berichterstattung werfen. Beste Grüße aus Shanghai,

Daniel Köcher

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